THE TRIP: Von toten Schlangen und Ess-Bambus

18 Dec

Die Kinder der School for Life haben nehmen uns heute mit auf eine Radtour. Feriengäste der School for Life können diesen Trip als Ausflug während ihres Aufenthaltes hier buchen und mit dem Geld zum Erhalt der Schule beitragen. Als wir zur vereinbarten Zeit zum Ausgang der Schule kommen, warten 4 Mädchen und 2 Jungs stolz mit ihren Fahrrädern auf uns. Die Räder haben alle schon einige Jahre auf dem Buckel, werden von den Kids aber mit großer Hingabe gepflegt. Min Bai ist 15 Jahre alt (sieht aber viel jünger aus, wie die meisten Thais) und begrüßt uns in auffallend gutem English: „Hallo, my name is Min Bai and this is my team.“ Die anderen Kids winken und ein fröhliches „Sawadi Kaa“ entgegen.

Nachdem wir die Fahrräder zugewiesen bekommen haben (sie sind allesamt in Kindergrößen und wir lachen ob unserer komischen Sitzhaltung und der nicht wirklich guten Bremsen) geht es los. Über die holprigen Wege mit der hier typischen roten Erde machen wir uns auf und ich fühle mich zum ersten Mal auf dieser Reise wirklich wie im Urlaub. Die Umgebung ist wunderschön und erinnert mich ein wenig an mein „Winterzuhause“ Goa: saftiges Grün, Bananenpalmen, riesige Bambusbüsche, aus allen Ecken das Singen der Zikaden, Reisfelder mit den obligatorischen Wasserbüffeln und ihren weißen Begleitern, den Putzervögeln, vereinzelt winzige Häuser und vor allem- ein strahlend blauer Himmel! Auch der Duft erinnert mich an Goa: verbranntes Palmholz mischt sich mit dem intensiven Geruch der Jasminbäume, wenn man an ihnen vorbei fährt. Ich liebe die knallpinken Farbkleckse der Bouganvilia Büsche, für die es in Deutschland leider zu kühl ist! Immer wieder halten die Kids an, um uns etwas zu zeigen: eine überfahrene Schlange auf der Strasse. Die verschiedenen Arten von Bambus: „This type is used for building houses and this is eating bamboo.“ Früchte, die wir probieren sollen und deren Thai Namen sie uns beibringen. Den See, an dem Fischen verboten ist. Auch mit den Kindern, die kein englisch sprechen, klappt die Kommunikation. Man merkt ihnen an, wie sehr sie die Aufmerksamkeit genießen und wie stolz sie darauf sind, uns ihr Zuhause zeigen zu können.

Ganz besonders hat es mir Toni angetan: mit seinem viel zu kleinen Fahrrad stachelt er immer wieder Rennen an und sein Lachen ist von einer Herzlichkeit, die einen sofort ansteckt. Als ich einen Tamarindenbaum sehe, rennt er sofort hin und bringt mir ein paar der Früchte. Er lacht sich kaputt, als ich wegen der unreifen, sauren Frucht eine Grimasse schneide. Ab dem Moment verknüpft uns ein Freundschaftsband und er radelt die ganze Zeit neben mir her. Dieses tiefe Bedürfnis der Kinder nach Nähe erlebe ich später immer wieder bei den Waisenkindern. Als wir bei den „Hot Springs“ ankommen, erklären sie uns, dass die Einheimischen in den heißen Quellen mit dem intensiven Schwefelgeruch baden gehen. Mir fällt es sogar schwer, diesen Gestank, der an faule Eier erinnert, auszublenden, als sie uns auffordern, mal die Füße in das Wasser zu halten, das aus der Erde brodelt. Min Bai erklärt uns, dass es in ganz Thailand nur 4 solcher Quellen gibt. Im Anschluß besteht unsere kleine Reiseführerin darauf, zwei Körbchen mit Eiern zu kaufen, die wir dann in dem siedenden Wasser kochen. Als es an den Verzehr unseres Souvenirs geht, drücke ich mich und überlasse den Eiersnack den Kids und Dannie und Käthe. Auf meine Frage, von welchem Vogel denn die kleinen, getupften Eier seien (offensichtlich kein Huhn) lachen die Kinder nur achselzuckend: „A bird!“. Manche Details sind hier einfach nicht von Bedeutung…..

Nach unserer Pause quälen wir uns auf den kleinen Rädern bergauf wieder zur Schule zurück. Als ich mich beim Abschied bei Min Bai bedanke und ihr sage, dass sie eine tolle Reiseführerin ist, reagiert sie verlegen: „Really? Me?“. Ja, sie. Unsere Betreuerin der Schule erklärt mir später, dass sie wirklich einmal Reiseführerin werden möchte. Ein Wunsch, der sicher in ihrem vorherigen Leben undenkbar gewesen wäre, aber nun dank der School for Life in realistische Nähe rückt.

Lieben Gruß und SONNE für Euch, Kerstin

Website der School for Life mit Infos zu den Kindern, Ferien im Projekt, Patenschaften und vielem mehr…

Spendenkonto:

Hilde Robinsohn Stiftung
Verwendungszweck: Schule des Lebens
Berliner Sparkasse
BLZ 10050000
Kto. 2040010036

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One Response to “THE TRIP: Von toten Schlangen und Ess-Bambus”

Trackbacks/Pingbacks

  1. DANKE! « be better blog - August 28, 2011

    […] Kaufmann las letzten Winter meinen Blog, als ich einen Monat in Thailand mit den Kindern der School for Life verbrachte, um das Projekt gut […]

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