IN DEUTSCH

12.11.2010Dem Abgrund die Stirn bieten
Meditiere, denn dieser Augenblick wird sehr bedeutungsvoll für dich sein. Immer wenn jemand stirbt, jemand zu dem du eine tiefe Beziehung hattest, jemand mit dem du eine sehr intime Verbindung hattest, mit dem du glücklich und unglücklich warst, traurig und wütend, mit dem du alle Jahreszeiten des Lebens erfahren hast und der irgendwie Teil von dir geworden ist und du bist Teil von ihr geworden – wenn ein solcher Mensch stirbt, ist es nicht nur ein Tod, der da draußen geschieht, es ist ein Tod, der auch im Innern geschieht. Sie hatte ein Teil deines Wesens in sich, und wenn sie nun stirbt, dann stirbt auch dieser Teil von dir. Sie hat etwas in dir erfüllt. Sie veschwindet und es bleiben Wunden zurück.Wir haben viele Löcher in unserem Wesen. Wegen dieser Löcher suchen wir die Gesellschaft des anderen, die Liebe des anderen. Durch die Gegenwart des anderen gelingt es uns irgendwie, diese Löcher zu stopfen. Wenn der andere verschwindet, sind die Löcher wieder da…gähnende Abgünde öffnen sich. Du hattest sie vielleicht vergessen, doch jetzt wirst du sie fühlen und gleichzeitig auch den Schmerz. Nutze diese Augenblicke also für tiefe Meditation, denn früher oder später werden diese Löcher wieder gefüllt sein. Diese Löcher werden wieder verschwinden. Ehe das geschieht, ist es gut, in diese Löcher hineinzugehen, in diese Leere hineinzugehen, die deine Frau hinterlassen hat.

Nutze diese Momente also. Setz dich still hin, schließ die Augen, geh nach innen und schau einfach, was geschehen ist. Denke nicht an die Zukunft, denke nicht an die Vergangenheit. Gehe nicht in Erinnerungen hinein, denn das ist sinnlos. Geh nur nach innen. Was ist mit dir geschehen? Sie ist tot; was hat das mit dir gemacht? Geh einfach in diesen Prozess hinein. Das wird dir vieles zeigen. Wenn du diese Löcher durchdringen kannst, wirst du völlig transformiert sein. Du wirst nicht versuchen, sie wieder zu füllen, aber du kannst dennoch lieben.

Man kann lieben, ohne den andern auf irgendeine Art in sein Inneres zu nehmen und dort ein tiefes Bedürfnis zu erfüllen. Lieben kann ein Luxus sein…weil man etwas zu teilen hat und man gerne teilen möchte. Dann ist Liebe nicht mehr ein Bedürfnis, hinter dem du deine Wunden verbirgst.

Geh also in diese Wunden hinein, geh in diese Leere, geh in diese Abwesenheit und beobachte – das ist das eine. br>
Als zweites erinnere dich daran, dass das Leben tatsächlich etwas Flüchtiges ist, es gleitet dahin… etwas Momentanes. Wir leben in einer Phantasiewelt. Wir machen uns ständig etwas vor. Immer wieder fällt die Täuschung weg, immer wieder bricht die Wirklichkeit hervor. Immer wieder stirbt jemand, und du wirst daran erinnert, dass das Leben nichts ist, worauf du dich verlassen kannst, dass man sich nicht zu sehr vom Leben abhängig machen sollte. Diesen Moment ist es da, im nächsten ist es verschwunden. Es ist eine Seifenblase – nur ein kleiner Nadelstich und es ist vorbei. Wirklich, je mehr du das Leben verstehst, umso mehr bist du von Staunen erfüllt, wie es existieren kann. Dann ist der Tod kein Problem; das Leben wird das Problem. Der Tod erscheint natürlich.

Es ist ein Wunder, dass es das Leben gibt – so etwas Vorübergehendes, so etwas Momentanes. Und nicht nur, dass es existiert, die Leute vertrauen ihm. Die Leute sind davon abhängig. Sie legen ihr ganzes Sein zu seinen Füßen – und es ist nur eine Illusion, ein Traum. Jeden Augenblick kann es vorbei sein und man bleibt weinend zurück. Mit ihm sind auch die ganzen Bemühungen dahin, die ganzen Opfer, die du gebracht hast. Plötzlich ist alles verschwunden. Beoachte das also – dieses momentane, traumgleiche, illusorische Leben.

Der Tod kommt zu jedem. Wir stehen alle in der Schlange, und die Schlange kommt dem Tod ständig näher. Sie verschwindet; sie ist ein wenig kürzer geworden. Sie hat für die nächste Person Platz gemacht. Jeder Mensch, der stirbt, bringt dich deinem eigenen Tod näher, jeder Tod ist praktisch dein Tod. Mit jedem Tod kommst du dem Schlußpunkt näher. Ehe das geschieht, muss man so bewusst wie möglich werden.

Wenn wir dem Leben zu sehr vertrauen, neigen wir dazu, unbewusst zu werden. Wenn wir am Leben zweifeln – an diesem sogenannten Leben, das mit dem Tod endet, dann werden wir bewusst. Und mit dieser Bewusstheit beginnt eine neue Art von Leben, das keinen Tod kennt – ein Leben, das ewig ist, ein Leben, das jenseits von Zeit ist.

OSHO

12.09.2010:

Zeit zum Lachen

Nimm dir Zeit zum Lachen, es ist die Musik der Seele. Nimm dir Zeit zum Denken, es ist die Quelle der Kraft. Nimm dir Zeit zum Lesen, es ist der Ursprung der Weisheit. Nimm dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden, es ist ein Gott-gegebenes Privileg. Nimm dir Zeit zum Arbeiten, es ist der Preis des Erfolgs.

www.bkwsu.de

.

05.09.2010:

Shortcut to Nirvana

Was für eine tolle Doku!

Leider habe ich die Maha Kumbha Mela in Indien dieses Jahr verpasst, weil der “Job” mich zurück nach Deutschland gerufen hat. Natürlich können keine Worte, Filme oder Bücher Indien beschreiben. Nur dort zu sein, kann Dir einen Einblick verschaffen. Und sogar Monate oder Jahre dort zu verbringen gibt Dir nur eine Idee dessen, wie voll, vielfältig und reich dieses Land wirklich ist! Vergiss einen Zwei-Wochen-Urlaub!

Diese Reportage schafft es dennoch, einige Bilder zusammenzufassen, die eine Ahnung dessen vermitteln, was bei der größten Menschenansammlung der Welt passiert. Es scheint die Essenz dessen zu sein, was ich in Ashrams, Sadhu-Höhlen, Tempeln, Satsangs, Darshand oder Poojas bisland erleben durfte. Auf jeden Fall schafft sie es, daß ich Indien furchtbar vermisse und es nicht abwarten kann, wieder dort zu sein!

Und wie wundervoll erinnert sie uns an die wichtigste Wahrheit: wahre Freude, wahres Glück und wahrer Frieden kommen nicht von “Dingen” oder äußeren Umständen (oder wie Swamiji sagt “Du brauchst keinen Mercedes” ; )- es kann nur von innen kommen und muß von jedem selber erfahren werden. Danke, India!

www.melafilms.com

Mother India be blessed!

30.08.2010:

(Charlie Chaplin an seinem 70.Geburtstag am 16.April 1959)

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man ‘VERTRAUEN’.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
daß emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnung für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich, das nennt man ‘AUTENTHISCH-SEIN’.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, daß alles um mich herum
eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man ‘REIFE’.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe und mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man ‘EHRLICHKEIT’.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit,
was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das ‘GESUNDEN EGOISMUS’,
aber heute weiß ich, das ist ‘SELBSTLIEBE’.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt,
das nennt man ‘DEMUT’.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert,
weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur mehr in diesem Augenblick,
wo ALLES stattfindet.
So lebe ich heute jeden Tag und nenne es ‘BEWUSSTHEIT’.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
da erkannte ich,
daß mich mein Denken armselig und krank machen kann,
als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute ‘HERZENSWEISHEIT’.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich, DAS IST DAS LEBEN!

08.08.2010:

Vertrauen

Deinem höchsten Antrieb folgen, egal unter welchen Umständen; immer ehrlich zu Deinem göttlichen Selbst sein; Dich auf Dein inneres Licht verlassen, auf Deine innere Stimme, und Deiner Bestimmung folgen mit einem angstfreien und ruhigem Herzen, daran glaubend, daß die Zukunft Dir die Belohnung für jeden Gedanken und jede Tat bescheren wird; wissend, dass das Gesetz des Universums niemals irren kann, und dass alles, was Du aussendest, zu Dir zurückkehren wird mit mathematischer Exaktheit: dies ist Vertrauen und das Leben des Glaubens. (James Allen)

26.07.2010:

Es ist wundervoll…

Wenn man erkennt, wie ALLES mit ALLEM verwoben ist und dass ALLES von Bedeutung ist und zugleich NICHTS wichtiger ist als etwas anderes. Macht das Sinn?

25.05.2010:

Es ist grotesk…

Dass versiegelte, ungeöffnete Flaschen mit sauberem Trinkwasser an der „Sicherheitskontrolle“ des Flughafens eingesammelt werden, das Trinkwasser weggeworfen wird und man 2 Meter weiter die gleichen Wasserflaschen kaufen kann. Wie schwer kann es sein, Trinkwasser von Sprengstoff zu unterscheiden??? Wie viele Meschen könnten mt diesem Wasser ihren Durst stillen in Gegenden, in denen es kein Trinkwasser gibt?

Dass eine Plastiktüten-Industrie an der selben „Sicherheitskontrolle“ für viele Euros tausende Kilos Plastik als kleine Tüten verkauft, in denen man seine Lippenstifte mit an Bord nehmen darf. Warum ist der Lippenstift in Plastik verpackt in der Handtasche sicherer als ohne Plastik???

23.05.2010: Es ist wundervoll…

Dass man immer öfter Gespräche führt mit Menschen, die bestimmte Dinge auf unserem Planeten für grotesk halten und das auch aussprechen.

21.05.2010: Es ist grotesk…

Dass trotz eindeutiger mega-CO2-Einsparung bei den unfreiwilligen flugfreien Tagen wegen des Vulkans nicht sofort ein freiwilliger flugfreier Tag pro Woche eingeführt wird! Die Welt würde sicher (und zwar besser!!!) auch funktionieren, wenn man Sonntags nicht fliegen kann. KEIN Business ist so wichtig wie frische Luft für unsere Kinder und uns selber.

Oder?

17.04.2010:

Maximiere Dein Leben

Kann jemand glücklicher als glücklich sein?

Ja, wir können!

Ich WEIß es und ich verspreche es. Und es ist eigentlich gar nicht so schwierig und sogar möglich im hektischen Leben der Großstadt. Ich habe gestern abend ein wundervolles Konzert besucht und hab mich danach gefühlt, als könnte ich die Welt umarmen. High on music! Schaut Euch das Mädel an: : http://springgroove.com/

Eine der scheinendsten Personen, die ich je gesehen habe. Hat jeden im Raum angesteckt, mit ihr zu singen und zu vibrieren. WOW!

Ich wurde auf eine schöne Art daran erinnert, wie reich ich bin: diese hellen Menschen in meinem Leben zu haben, mit Liebe gesegnet zu sein und frei zu sein, Tage wie diese zu erleben. Spring erwähnte, wie leicht es ist, von der Bahn abzukommen und wie hilfreich es ist, solche Abende zu teilen und uns gegenseitig zu erinnern, dass alles gut ist.

Und tatsächlich ist es unsere eigene Wahl WIE gut wir unser Leben machen. Es geht immer um Entscheidungen. Entscheide ich mich, auszugehen und mich zu besaufen? Naja, die Chancen sind groß, dass es mir am nächsten Tag mies geht. Sage ich mir selbst, ich BRAUCHE das große Auto, das teure Haus, die neuesten Spielzeuge, iPads, Handtaschen? Naja, ich werde viel dafür arbeiten müssen um diese DINGE zu BEKOMMEN und werde wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit für Freundschaften haben oder dafür, in manche Gedanken tiefer einzutauchen und werde wohl das Leben an der Oberfläche verbringen. Es ist ok. Es ist eine Wahl. Aber kein echtes Glück. All diese DINGE kreieren Kurzzeit-Glück von außen. Dieses Glück ist in Gefahr, wenn die DINGE drohen, zu verschwinden. Dauerhaftes Glück kommt von innen und kann durch NICHTS weggenommen werden!

Ich hab mich für die Freiheit entschieden, bin gestern abend nicht zum Partymachen ausgegangen, hab einen gesegneten Abend geteilt. Und heute fühle ich mich wieder, als könnte ich die ganze Welt umarmen, höre die Vögel von meiner Terrasse und bin glücklicher als glücklich!

Ich wünsche Euch einen superglücklichen Sonntag,

Kerstin

04.04.2010:

Frohe Ostern !

Ich bin froh und aufgeregt, Euch mein spezielles Ostergeschenk zu präsentieren, frisch geschlüpft und bereit für Euch:

www.shila-yoga.de

Ich habe eine Menge Liebe, Arbeit und Mühe reingesteckt, Informationen zu meinen Yoga Aktivitäten wie Retreat Terminen, Fotos und Inspirationen. Es dürfte sogar für die interessant sein, die (noch) keine Yogis sind, da ich eine Datenbank gestartet habe, in der ich einige meine liebsten Bücher und Musik teile, die mich selber sehr inspiriert haben und Euch vielleicht auch auf die eine oder andere Art und Weise inspirieren soll.

Viel Spaß damit und Frohe Ostern,

Kerstin

19.03.2010:

Ein- und Ausatmen

Komisch, dass ich es im Moment nur schaffe, zu schreiben, wenn ich am Flughafen sitze und auf eine Maschine warte. Und wöchentlich grüßt das Murmeltier: wieder Flughafen München, wieder nach einem Dreh. Doch heute ist irgendwie (fast) alles anders. Heute ging es mit der Aufzeichnung ganz schnell. Heute hab ich es auf eine frühere Maschine geschafft und muß nicht bis abends am Airport warten. Also wird es heute kein 16- Stunden- Tag. Juhuuu… Und irgendwie scheint auch um mich herum alles besser gelaunt zu sein: die Geschäftsmänner, die mit mir warten, wirken heute wesentlich besser gelaunt als beim letzten Mal. Muß daran liegen, dass draussen endlich wirklich der Frühling beginnt und es dieses Mal nicht grau und kalt aussieht, wenn man auf die Startbahn vor dem Fenster blickt. Wunderbar, Frühlingsgefühle all around!

Dabei hatte der Tag eher düster angefangen: nach viel zu wenig Schlaf viel zu früh raus, in aller Herrgottsfrühe in die Maske. Dann ein recht zäher Start in meinen Drehtag- es ist wirklich mühsam, wenn man mit Leuten kommunizieren muß, die sich hinter einer Maske aus Arroganz und Unnahbarkeit verstecken. Gottseidank gibt es in meinem Team Engel: meine Mädels, die dafür sorgen, dass ich schön aussehe, sich um Haare, Makeup und Klamotten kümmern- und eben auch meinen Seelenfrieden, wenn´s denn grade nötig ist. Als ich in einem tollen Gespräch wieder kurz mit positiver Energie aufgepäppelt wurde, daran erinnert, dass die Laune anderer mich nicht runterziehen muß, fluppte der Rest des Tages ganz geschmeidig. Denn klar: hinter jedem versteinerten Gesicht steckt meist eine unsicher Seele. Hab ich erst vor ein paar Tagen irgendwo gelesen. Wie doch die Sicht auf die Dinge alles verändern kann. Nicht nur die eigene Wahrnehmung sondern scheinbar auch das Arbeitstempo einer ganzen Crew…

So sitze ich also nach einem am Ende doch normal-langen Arbeitstag im Taxi zum Flughafen. Und da ich ja grade die Welle der positiven vibes reite, erwische ich wieder den entzückenden Fahrer vom letzten Mal: ein Perser mit exquisiten Manieren und einem hervorragenden Musikgeschmack. „Mit ihrer Erlaubnis schalte ich jetzt ein wenig Musik ein“, sagt er, als wir auf die Landstrasse zwischen dem Studio in Ismaning und dem Münchener Flughafen einbiegen. Und es erklingt: der Soundtrack zu „Gladiator“. Volltreffer. Nachdem ich seine heutige Auswahl gelobt habe und wir uns einig sind, dass das einer der besten Filme aller Zeiten ist, lehne ich mich zurück und genieße die Feierabend Fahrt: die Sonne scheint, die Stoppelfelder sehen noch winterlich aus aber glänzen fast golden, Kinder spielen auf dem Feld, Pferde stehen auf der Wiese, wir kommen an Bauerhöfen mit knorrigen Eichen vorbei. Pittoreske Dorfidylle. Hach, wie schön! Fast schon kitschig zu dieser Musik. Ich schaue mir die mit Moos bewachsenen Bäume ohne Blätter am Straßenrand an, weiß, dass bei meiner nächsten Fahrt hier entlang wahrscheinlich das Grün sprießen wird und hab wieder eine kleine Erkenntnis: die, dass niemals etwas nicht lebt. Wenn die Natur hier im Winter zerkargt, macht sie nur eine etwas längere Atempause. Und mit dem Frühling atmet sie dann wieder aus.

Mit einem tiefen Ausatmer lasse ich den Tag hinter mir und freue mich den Rest der Fahrt an der Musik.

Und jetzt sitze ich schon wieder hier am Flughafen, steige gleich in den Flieger und bin in einer guten Stunde schon wieder daheim in Berlin. Und wöchentlich grüßt das Murmeltier…. der Kreis schließt sich quasi….. das Ein- und Ausatmen des Lebens halt.

Ich wünsche Euch einen schönen Frühlingsstart und eine gesunde Sicht auf die Dinge,

Kerstin

15.03.2010: Willkommen….

Leute! ich sehe, daß es viele neue Abonnenten gibt und freu mich, Euch hier zu begrüßen.

Zur Zeit schreibe ich nicht so regelmäßig, da ich mit der Arbeit an meinen neuen Websites

http://www.be-better.eu

und

http://www.shila-yoga.de

beschäftigt bin.

Für diejenigen, die sich gerade erst registriert haben: habt ein wenig Spaß mit meinen Geschichten aus Indien von Dezember, dann wißt Ihr, was Euch hier in Zukunft erwartet.

Und, lest meinen aktuellen Kommentar auf

www.theeuropean.de

ich wünsch Euch eine friedliche Woche,

Kerstin

12.03.2010 Freundliche Nachbarn und asoziale Blutlieferanten

Tja, so nah können Freud du Ärger zusammen liegen: auf meinem Weg nach draußen begegnet mir heute mein neuer Nachbar. Das Paar, das unter uns eingezogen ist, hatte sich vor ein paar Tagen vorgestellt, ganz klassisch und freundlich. Toll. Mein netter neuer Nachbar hält also auch heute früh wieder im Treppenhaus an, um ein kleines Schwätzchen zu halten. Am Ende fragt er mich noch, ob er mir mit dem großen Koffer (beladen mit Klamotten für die Charity) helfen kann. Wie nett. Es gibt noch Gentlemen!

Kaum aus der Haustür, noch erfrischt von der netten Begegnung, sehe ich (wie fast jeden zweiten Tag) zwei Autos, die schon wieder die Einfahrt versperren. Alles klar, mein Auto geholt und ein paar Mal laut gehupt. Normalerweise kommt dann immer irgendeiner der Parksünder und macht den Weg frei. Nicht so heute. Klar, ich hab ja auch nen dringenden Termin. Ich rufe also meinen Termin an, erkläre, warum ich mich wohl verspäten werde und rufe dann beim Abschleppdienst an. Auf den zu warten kann schon mal eine halbe Stunde dauern. Ich mache es mir also bei 2 Grad im Auto gemütlich. Nach gefühlten 30 Minuten (real waren es 15) kommt einer der Falschparker angeschlendert. Steigt völlig entspannt in seinen Wagen mit der großen Aufschrift „Blutlieferant“. Er kommt aus der gegenüberliegenden Arztpraxis, hat da wohl grade Blut abgeliefert, was so ein Blutlieferant halt den ganzen Tag macht. Als ich ihn frage, ob ihm klar ist, dass er eine Einfahrt versperrt, kommt kein „Entschuldigung“ oder so was. Nein, nur ein arrogantes „Beschweren Sie sich doch bei dem da.“ Sprichts, deutet mit einem trägen Nicken auf den anderen Ausfahrtsversperrer und fährt weg.

Ich muß ich zusammenreißen, ihm nicht in sein Blutliefermobil zu rammen. Mit ein paar Yogi Atemübungen beruhige ich mich wieder und bin froh, nicht so frustriert wie dieser Typ mein Leben zu leben, das eben Geschehene ganz schnell wieder loslassen zu können, einen netten Nachbarn zu haben und keine Blutkonserven zu brauchen. Und sollte das mal so sein (Gott bewahre!), bete ich, dass sie mir nicht von einem solchen Penner geliefert werden!

Ich wünsche Euch einen Weg zur Arbeit ohne Kollision mit Mitmenschen und freundliche Nachbarn,

Kerstin

10.03.2010: Der Countdown läuft weiter…

haltet die Augen offen!

07.03.2010: Wake Up !

Früüühling ! Endlich! Ganz offiziell erkläre ich hiermit den Winter auf meiner Dachterrasse als beendet! Ich habe soeben den Winterdreck weggekehrt und tatsächlich die ersten Zeichen von LEBEN gesehen: meine Hyazinthen blühen! YES !!!!!! Das tote braune Gestrüpp, das unter der meterdicken Schneeschicht nicht mehr sichtbar war, ist endgültig hervor getaut und macht jetzt Platz für knackiges Grün und duftendes Weiß. Puh! Denn so langsam fing das grau-kalt-naß-matschig an, mir auf´s Gemüt zu drücken. Trotz Winterpause in Indien.

Und noch ne gute Nachricht: die Sonne scheint und macht mich WACH !!! Was ich übrigens auch meinen Mitmenschen wünschen würde. Denn es macht den Eindruck, als hätten die lebenspendenden Sonnenstrahlen noch nicht jeden Geist erreicht. Als ich gestern durch das große Möbelhaus mit den vier gelben Buchstaben spazierte (ich weiß, es ist völlig schwachsinniger Masochismus, dies an einem Samstag zu tun, wenn man auch an einem Wochentag Zeit hätte), traf ich auf zu viele noch schläfrige Exemplare Mitmensch. Anders als mit Noch-andauerndem-Winterschlaf kann und will ich mir die Lethargie, mir der so mancher durchs Einrichtugsparadies schlurft, nicht erklären. OK, bei den Herren kann ich ja noch gelten lassen, dass sie einfach keinen Bock haben auf Frauchens entzückte „Ach-guck-mal-wie-süß“ Ausrufe und das Ganze als Martyrium über sich ergehen lassen, um den Hausfrieden für´s Wochenende zu garantieren. Aber wenn jemand selbst beim dritten freundlichen, aber inzwischen bestimmten „Entschuldigung, darf ich mal durch“ seinen Allerwertesten nicht beiseite schiebt, muß das mit was Anderem zu tun haben. Und die Damen, die absolut freiwillig hier unterwegs zu sein scheinen, aber dennoch einen Eindruck machen, als hätte ihnen gerade jemand eine Extraportion Valium verabreicht, verstehe ich nicht. Während ich meinen Wagen slalomartig um sie herum manövriere, will ich ihnen nur zurufen „Wake Up !!!“

Immerhin haben es selbst kleine Blumenzwiebeln, die monatelang unter einer Decke von minus 20 Grad überlebt haben, es geschafft, sich wieder zum Duften und Blühen aufzuraffen und verbreiten Freude. Nehmt Euch an denen mal ein Beispiel. Ab jetzt gibt es keine Entschuldigung mehr: die Sonne scheint, der Frühling kommt und alles ist gut. Also, Hintern hoch, ne Runde Yoga üben, durch den Park laufen und LÄCHELN. Es geht. Versprochen. Mach ich jetzt auch!

In diesem Sinne, einen schönen, wachen Sonntag,

Kerstin

28.02.2010: Das Geräusch einer Muschel, die ins Wasser fällt …

… gibt es hier leider sehr selten. Gestern Abend in der Badewanne fiel eine der kleinen Muscheln aus Indien aus meinem Duftölhalter in die Wanne und machte dieses „platsch“, ein ganz spezielles Geräusch, wie es nur von Muscheln kommt, die zurück ins Meer fallen. Aus Indien kenne ich dieses Geräusch sehr gut. Und gestern erinnerte mich dieses kurze „platsch“ an die vielen inspirierenden Geräusche dort …. (siehe Blog Eintrag vom 14.12.09)

Plötzlich war mir klar, warum es mir hier schwerer fällt, zu schreiben. Die Inspiration fehlt und es gibt mehr Ablenkung. Das erklärt auch, warum hier weniger lächelnde Mensche unterwegs sind. Straßenverkehr und grauer Beton sind nun mal nicht so erhellend wie Palmen und Meeresrauschen.

So frisch aus Indien zurück, erkenne ich immer sehr deutlich die Unterschiede. Und Menschen, die ihre Zeit komplett hier verbringen, ohne manchmal Pausen in der Natur einzulegen, denken tatsächlich, es sei der Inhalt des Lebens, sich zu stressen, um im Job „weiter“ zu kommen, es sei wichtig, dauernd mit irgendetwas beschäftigt zu sein und es sei von Bedeutung, welche Kleidung man trägt. Natürlich macht es Spaß, sich hübsch anzuziehen. Und klar, ist es toll, in seinem Job erfolgreich zu sein und kreative Dinge zu tun. All das genieße ich auch, wenn ich hier bin. Aber was ist mit einfach SEIN ? Einfach mal mit Freunden Zeit verbringen, ohne den nächsten Termin im Kopf zu haben, in Ruhe über Gott und die Welt oder auch über NICHTS reden ? Einfach eine Weile da sitzen und sich den Himmel, die Bäume oder das Wasser anschauen ? Dafür ist keine Zeit. Dafür nimmt sich hier kaum jemand Zeit.

Liegt es daran, dass die Welt immer schneller wird? Daß iPhones die Mails zu jeder Zeit an jeden Ort schicken, wir immer erreichbar sein wollen, uns mit den neuesten apps befassen und mehr arbeiten müssen, um auch den neuesten iPad kaufen zu können? Oder vergessen die Menschen langsam, dass es im Leben um etwas anderes geht als um „höher, schneller, weiter, mehr“? Spätestens, wenn trotz all dem „Erfolg“ sich das Glück nicht einstellt und wenn sich so mancher ganz ehrlich fragt „bin ich WIRKLICH glücklich?“, dürfte klar werden, dass es das nicht ist.

Ich mache auf jeden Fall ab und zu mein Handy (das KEIN iPhone ist !) aus und schaue einfach nur in den Himmel oder lese ganz IN RUHE ein Buch. Völlig langsam. Und ich bin, auch wenn ich mich ganz ernst frage und ganz ehrlich antworte, wirklich glücklich. Und freue mich in der Wanne über das Geräusch einer Muschel, die zurück ins Wasser fällt…

Ich wünsche Euch offene Ohren, ein offenes Herz und einen offenen Geist für die wirklich wichtigen Dinge im Leben,

Kerstin

PS.: Ich werde übrigens trotz allem versuchen, öfter zu schreiben und meine Inspiration aus anderen Dingen zu ziehen….. Ein Tip: Der Film „Samsara“- super!

24.02.2010: Social Vibe

Es ist ganz einfach und kostet Dich nur ein paar Clicks! Wenn man den Leuten, die es erfunden haben, glauben darf, können wir hiermit tatsächlich Wasser – die Quelle des Lebens – an Menschen spenden, die es wirklich brauchen. Ich komme grade aus einem Teil der Welt, in dem es NICHT selbstverständlich ist, jeden Tag frisches Wasser zu haben und Wasser aus der Leitung trinken zu können. Umso mehr weiß ich den Luxus, den wir hier haben, zu schätzen! Und umso wichtiger ist es, von diesem Geschenk etwas abzugeben. Hier habt Ihr eine einfache Möglichkei, die Euch nur ein paar Eurer Minuten kostet. Clickt einfach auf das “SocialVibe” Logo links.

Danke!

10.02.2010: Leere Gesichter

Da bin ich also: zurück in Deutschland, zurück im Job. Ich komme gerade von der Aufzeichnung von zwei neuen Folgen für die nächste Staffel meiner Sendung. Die Wartehalle des Münchener Flughafens. Zwei Stunden noch bis mein Flug geht. Kein früherer Flug möglich. Was jetzt? Meine Magazine lesen und eines meiner aktuellen Bücher („becoming enlightened“ vom Dalai Lama). Und Leute anschauen: Der größte Unterschied zwischen hier und wo ich grade her komme: leere Gesichter. Diese Leute, die „alles haben“, sehen hohl aus, lange genervte Gesichter schauen sich gegenseitig an aber schauen sich nicht wirklich an. Die Blicke gehen direkt durch, falls sie sich mal treffen, gibt es kein wirkliches Interesse. Übergewichtige Businessmänner starren auf ihre teuren Mobiltelefone, erwachsene Männer spielen mit den neuesten Applikationen und Funktionen ihrer High Tech Spielzeuge. Leute sitzen alleine rum und essen eilig ungesundes Zeug. Das Essen wurde von einer asiatische Frau auf ihre Teller getan, die hektisch wird, weil es eine lange Schlange vor der Snack Bar gibt. Das Schaufenster der Snack Bar präsentiert Backwaren, die schon seit dem Morgen da drin liegen, Fleischgerichte, die noch ekliger aussehen als „frisches“ Fleisch, Fritten, die nicht gerade einladend aussehen. Warum BIETEN Sie einem nicht mal eine gesunde Alternative AN ? Ich halte mich lieber an das Obst- nicht gerade das befriedigenste Dinner, aber die einzige Version, die nicht gerade schreit „Ich verkürze Dein Leben !!!“. Ich bin überrascht von dem jungen Kollegen der asiatischen Frau, der es tatsächlich schafft, mir in der Hektik ein freundliches Lächeln zu schenken und mir einen schönen Abend zu wünschen. Man sieht den meisten Leuten hier an ihren Gesichtern und Körpern an, dass sie die meiste Zeit ihres Lebens so verbringen. Keiner fällt mir hier auf, der gesund oder glücklich aussieht- noch nicht einmal, als ich suchend umher schaue. Welch offensichtlicher Unterschied zu der Umgebung, in der ich mich noch vor ein paar Tagen aufgehalten habe! Ich bin froh und dankbar, dass ich immer wieder dorthin zurück gehen kann, dass ich die Sonne und positive Energie in mir abgespeichert habe, dass mein Körper von dem super reichhaltigen Essen leben kann, von dem ich mich monatelang ernährt habe, dass meine eigene Küche auf mich wartet, in der ich mir mein leckeres gesundes Essen zubereiten kann, dass ich mir genug Zeit nehme, so zu leben und dass ich nicht die Wahl getroffen habe, durch das Leben zu hetzen wie die meisten Leute hier sondern dass ich mich für eine Umgebung mit freundlichen Lächeln und offenen Herzen entschieden habe. Mir ist klar, dass ich ab jetzt wieder öfter in einer solch unfreundlichen Umgebung sein muß. Aber ich bete für die Leute, die hier mit mir warten, dass sie irgendwann auch einer Quelle von Inspiration begegnen und dass ihre Augen und Herzen dann dafür offen sein werden. Ich bin froh, nach hause zu gehen. Immer und immer wieder. Und ich bin sehr dankbar, dass mich die Energie der Leute um  mich herum nicht ansteckt sondern dass ich in meiner inneren Ruhe sicher bin und so den Spaß, den ich heute hatte, noch ein wenig genießen kann und mich weiter auf das Positive konzentriere…

„I have arrived. I am home. My destination is in each Step.“ (Buddha)

Ich wünsche Euch heute Augenkontakt mit einer offenen, positiven Person,

Kerstin

02.02.2010  Ein letztes Mal…

… die Nachtmusik auf meiner Terrasse hören.

… den Tag am Strand verbringen.

… den Jungs beim Fischen zuschauen.

… die Leute im Dorf treffen, meinen Namen hören bei jedem Zweiten, an dem ich vorbei gehe.

… ohne Schuhe unterwegs sein.

… mit dem Roller ohne Helm durch den Sand fahren.

… das Meer zum Einschlafen hören.

… mit wenigen Klamotten abends draussen sitzen.

… zufällig auf Freunde treffen und mit ihnen ein paar Stunden verbringen, ohne einen Termin zu haben.

… zum größten Teil offenen, lachenden, glücklichen Menschen begegnen.

… weit entfernt den Tempelgesang hören.

… von Palmen, Wasser, Strand und strahlender Sonne umgeben sein………….

bis zum nächsten Mal hier. Und das kommt sicher. Next season! Und deswegen bin ich nur ein bißchen traurig, dass ich schon wieder weg muß……. Auch wenn diese Saison für mich „kurz“ war, es gab jede Menge Inspiration und es gibt noch viel zu Schreiben:

Thank You India !!!

Nachtbesuch

Ich sitze auf meinem Bett als ich einen lauten Knall in meinem Haus höre. Der Ventilator ist an, denn es war ein heißer Tag und auch die Nacht ist noch sehr warm. Ich denke mir, „das muß ein Palmblatt, ein Stück einer Dachziegel oder ein Stück einer Kokosnußschale gewesen sein, das jetzt auf dem Boden liegt“, und ich will nicht von meiner Lektüre aufschauen. Als ich weiter lese, höre ich ein Flattern in meinem Zimmer. Es klingt zu groß für ein Insekt und zu klein für einen Vogel. Ich sehe einen Schatten hinter meinem Moskitonetz, der sich wie in Zeitlupe bewegt: eine Fledermaus!

Es braucht nur eine Sekunde, bis ich mein Buch zur Seite lege. Was jetzt? Das arme Tier ist zu Tode erschrocken und flattert durch mein Zimmer. Ich will es nicht noch mehr erschrecken. Als es genau vor meinem Gesicht rum fliegt, bin ich fasziniert von den Bewegungen: fast übernatürlich bewegt es die Flügel, es ist größer als ein Vogel aber macht kein Geräusch! Trotz der Dramatik der Situation kommt mir in den Sinn: „ Welch unglaubliche Kreaturen mich hier umgeben. Wie viele Arten Flugtiere, Insekten, Schlangen, Delphine, Schildkröten, Hunde, Katzen, Ratten, Schmetterlinge groß wie Vögel, Affen, Mäuse und und und…. sind mir hier schon begegnet. Wie viele wundervolle Ausdrücke der göttlichen Schöpfung! Wie kreativ die Natur sich doch immer wieder selber ausdrückt….. Toll!“

Bevor ich mich in meiner Begeisterung verliere, schalte ich das große Licht an: die Fledermaus versteckt sich hinter dem Bett. Ich mache ein Geräusch und sie fliegt wieder herum. Wie bekomme ich sie aus dem Haus? Ok, ich schalte das Terrassenlicht aus, sie mögen die Dunkelheit, oder? Sie flüchtet sich ins dunkle Bad. Hier das Licht anzuschalten bringt nichts. Ich gehe ins Restaurant und hole Hilfe. Meine Schüler kommen und wir umzingeln das arme Ding. Endlich findet es den Weg raus aus dem Badfenster.

Meine Freunde sind amüsiert von meinen anderen Nachtbesuchern: den Fröschen aus dem Brunnen, die zur nächtlichen Jagd heraus kommen, durch alle möglichen Öffnungen. Und ich bin froh, einmal eine so nahe Bekanntschaft mit einer Fledermaus gemacht zu haben.

Gruselige Grüße und eine gute Nacht aus Indien,

Kerstin

20.01.2010: Freiheit

„Alle die von Freiheit träumen, sollten´s Feiern nicht versäumen, sollten tanzen auch auf Gräbern. Freiheit, Freiheit ist das einzige, was zählt.“ Ich habe Marius Müller Westernhagens Lied im Ohr und summe es vor mich hin, als ich über schroffe Felsen am Meer entlang klettere. Ich bin auf dem Weg vom OM beach nach Gokarna- zu Fuß. Normalerweise fährt man die Strecke in ca. 20 Minuten mit der Riksha. Aber mir war heute nach Ruhe, etwas Einsamkeit und Abenteuer. „Me- time“ nenne ich das; die brauche ich dringend nach viel Zeit, in der ich permanent Menschen um mich hatte. Und es soll sich herausstellen, dass ich mich in Sachen Abenteuer und Freiheit heute genau richtig entschieden habe.

Im Pilgerort Gokarna im Staat Karnataka habe ich schon bei meinem letzten Besuch wunderbare Spaziergänge entlang der Küste erlebt, hoch auf den Hügeln über den verschiedenen Stränden, die es hier gibt. Die absolute Ruhe hier oben, weit weg vom munteren Treiben unten in der Pilgerstadt, die meist von Indern besucht wird, ist die perfekte Kulisse für tiefe Meditation. Genau das brauche ich heute. Und so habe ich mich entschlossen, nicht den bequemen Weg zu nehmen, sondern mich per pedes aufzumachen. OM beach, der dritte Strand nach Gokarnas Stadtstrand, sieht von oben wunderschön aus und macht seinem Namen alle Ehre: die beiden Buchten sind geschwungen wie ein OM. Als ich weiter Richtung Gokarna laufe, komme ich an einem Süßwasserreservoir vorbei, aus dem ein Einheimischer grade Wasser geschöpft hat, das er nun in einem großen Kanister auf dem Kopf nach hause transportiert- die Steilküste entlang kletternd. Bewundernswert, was diese Leute alles auf ihrem Kopf balancieren können! Ich laufe an einem winzigen „Restaurant“ vorbei: eine kleine Hütte aus Palmblättern direkt auf dem Kliff. Und dann war´s das mit der Zivilisation. Nach etwa einer Stunde merke ich, dass ich wohl nicht den „richtigen“ Fußweg genommen habe, da anstelle eines Pfades nun nur noch große Felsbrocken vor mir liegen. Ich genieße den Weg trotzdem, den Anblick der Wellen, die gegen die Felsen prallen und das einzige Geräusch, das ich höre: das Meer. Vor mir hüpfen riesige Krabben, die ich in ihrer Ruhe störe, ins Wasser. Ich wusste nicht, dass die so springen können. Weiter den „Freiheit“ Song singend, hänge ich meinen Gedanken nach: so lange Du deine Reise genießt, ist es egal, wenn Du manchmal vom „richtigen“ Weg abkommst.

Ein weiterer Song kommt mir in den Kopf, als die Felsen so steil werden, dass ich klettern muß: „The joy of being alone“ von Elisa. Ich denke, wie schön es ist, manchmal allein unterwegs zu sein, mit niemandem diskutieren zu müssen, ob es nun der richtige Weg ist oder ob man umkehrt, weil das Klettern an der Steilküste zu gefährlich ist. Ich folge einfach meinem Instinkt. Und der sagt mir, dass die Felsen nun wirklich zu steil werden und es hier nicht weiter geht. Ich klettere wieder runter und finde es nicht im Geringsten schlimm, dass ich nun etwa 20 Minuten wieder zurück laufen muß. Freiheit ist hat manchmal unbequem. Aber so bekommst Du vielleicht Schönheit zu sehen, die denen verwehrt bleibt, die sich auf die komfortable Variante und die vorgefertigten Wege beschränken. Auf neuen Pfaden kannst Du wirklich Neues entdecken. Ich liebe meine Freiheit und genieße den Anblick der Natur um mich herum, ganz sicher, dass hier noch nicht viele Menschen entlang gelaufen sind und ganz bestimmt niemand meine Me- time stören wird.

Ich versuche einen anderen Weg und klettere vor den Felsen den Berg hinauf. Ich finde mich in einem Dschungel aus Palmen, dornigen Büschen und Gestrüpp wieder, das auf Geröllboden wächst. Jetzt wird es in der Tat unbequem. Bei jedem Schritt hinauf muß ich aufpassen, dass der Boden unter mir nicht nachgibt. Meine Hände greifen nach festen Felsvorsprüngen, die sich manchmal als lose Steine entpuppen und herausbrechen. Ich bin naß geschwitzt, doch genieße meine Reise immer noch. Schon lange hab ich mich nicht mehr so lebendig gefühlt. Die Klarheit und Wachheit, die ich gerade brauche, um nicht abzustürzen und das Adrenalin, das mein System ausschüttet, sind wundervoll. Ich erinnere mich an ein Zitat, das ich einmal in einem Buch von Swami Sivananda gelesen habe. „You have got to stay insisting and persistent in aiming towards the goal.“ Er bezog sich damals auf die Erkenntnis bei der Suche nach Gott und dem Sinn des Lebens. Ich spüre, wie ich gerade genau diese Qualitäten trainiere, denn Umkehren kommt nicht infrage. Ich bleibe dran und bestehe auf meinem Weg. Mir ist klar, dass ich umkehren könnte und es viel gemütlicher nach Gokarna schaffen könnte. Aber ich weiß auch, dass es hier entlang geht. Bei jedem Schritt passe ich auf, dass sich kein Fels löst oder dass ich auf keine Schlange trete. Dornen kratzen meine Haut auf, als ich mich durch die Büsche kämpfe. Und endlich komme ich oben an. Ich blicke auf die wunderschöne Küste direkt unter mir und schon jetzt hat sich der Weg gelohnt. Als ich mich umdrehe, erwarte ich den Abstieg zum Kudle- beach, der nach meinen Berechnungen hinter dem Kliff liegen müsste. Doch Fehlanzeige: es tut sich ein weiteres Kliff auf, das noch dichter bewachsen ist. Augen auf und durch… Ich Vertraue auf meinen Instinkt. Ich liebe meine Freiheit. Und ich bin dankbar für das Wissen, dass da jemand ist, der mich liebt und auf mich wartet und mir diese Freiheit gibt, in der ich genau diese Dinge erleben kann.

Eine gute Stunde später sitze ich auf dem Berg über Gokarna, blicke auf die Stadt hinunter und freue mich, die Menschen dort nur zu sehen und nicht zu hören. Es macht mich ein wenig stolz zu wissen, dass wohl niemand meinen Weg heute hierher genommen hat und dass ich es trotz allem geschafft habe. Ich nutze die wundervolle Ruhe für eine tiefe Meditation. Als ich meine Augen öffne, fliegen vier Adler nur etwa zwei Meter über meinem Kopf im Wind. Dieses Bild hatte ich schon oft im Kopf. Die Meister sagen, wenn Deine Visionen wahr werden, bist Du auf dem richtigen Weg. Ich weiß, wie die Adler sich fühlen. Frei.

Sonne und Freiheit aus Indien,

Kerstin

12.01.2010: Einfach SEIN  lassen…

Nach einer längeren Pause setze ich mich nun mal wieder hin, um einen neuen Eintrag zu schreiben. In den letzten Tagen hatte ich ganz einfach keine Lust. Ich habe die Zeit hier in Indien genossen, es gab Veränderungen, an die ich mich gewöhnen musste, ich habe viele spannende Leute getroffen, tolle Dinge erlebt, Neues gelernt und wieder einiges verstanden bzw. mich an Dinge erinnert:

Es ist OK, keine Lust zu haben und es dann auch nicht zu tun.

Es ist OK, wenn sich Dinge ändern. Man muß nur die Geduld haben, die Veränderungen zu akzeptieren.

Es ist OK,  nicht zu wissen, was JETZT zu tun ist und erstmal abzuwarten.

Es ist OK, zu sagen „ich weiß es nicht.“

Es ist OK,  traurig zu sein und das zu zeigen.

Es ist OK, nicht zu mögen, wie jemand sich verhält und ihm das auf freundliche Art zu sagen.

Es ist OK, NICHTS zu tun.

Sei wie ein Bambus- fest im Boden verankert aber flexibel im Wind.

Das Ende von etwas Altem mach Platz für den Beginn von etwas Neuem.

Du kannst nur JETZT glücklich sein. Verschiebe das Leben nicht auf morgen.

Lebe DEIN Leben. Teilen ist etwas wundervolles. Aber es macht keinen Sinn, ein leben für „die anderen“ zu leben.

Zu viele Menschen geben zu viel darauf, was andere von ihnen denken. Wer wirklich frei davon ist, ist wirklich glücklich.

Freiheit ist wahrer Luxus und besser als Geld- Anhäufen.

Liebe ist das Größte.

Ich liebe es, wie man in Indien wachsen kann !

Bald mehr,

Sonne aus India,

Kerstin

25.12.09: Frohe Weihnachten …

… das wird in diesen Tagen so oft gesagt und geschrieben. Und so oft wird es einfach nur daher gesagt. Warum sind wir eigentlich „froh“ an Weihnachten??? Und warum feiern wir diese Tage? Wie viele Menschen erinnern sich tatsächlich daran, worum es hier geht? Klar, um den Geburtstag von Jesus. Aber was heißt das? —

Gerade in der westlichen Welt sind diese Tage zum Konsum mutiert, wie so vieles. Wie oft höre ich in Deutschland (oder Amerika oder Schweden oder wo auch immer…) „Oh Gott, ich muß noch Geschenke kaufen“ …. Oh Gott…… Wie viele von uns haben vergessen, worum es hier WIRKLICH geht!

… Daß da einmal ein Mensch gelebt hat, der so viel Liebe verteilt hat, dass man seinen Geburtstag noch gute 2000 Jahre später feiert. Der so viel Energie hatte, dass er damit andere heilen konnte. Der so tief in seiner Wahrheit verwurzelt war, dass ihm einige gefolgt sind, die ihn verstanden haben und die mehr von ihm hören wollten. Und der den „Mächtigen“ dieser Zeit solche Angst gemacht hat, dass sie ihn getötet haben. Der so klar verstanden hat, dass wir nicht dieser Körper sind, dass er zurück gekommen ist, um dies der Welt zu zeigen. Sich an diese Eigenschaften zu erinnern, kommt leider im Weihnachten der heutigen Zeit viel zu kurz. Dafür bleibt bei all dem Geschenke-Shopping keine Zeit. Die Verkäufer der Süßigkeiten, Sondereditionen von Spielzeug und Dekorateure der Schaufenster sind zu beschäftigt mit „Gewinnoptimierung“, um an diese Botschaft zu erinnern. Schließlich gilt es, mittlerweile schon im September das „Weihnachtsgeschäft“ anzukurbeln. „Weihnachtsgeschäft“!- Welche Ironie liegt in diesem Wort! Und wie abwegig sind für viele Menschen überhaupt diese Ideen von „Heilung“ und „Auferstehung“. Interessanterweise hört man auch von den Kritikern und denen, die diese „Geschichten von Jesus“ belächeln die Worte „Merry Christmas“. Sicher sagen viele derer, die die „Weihnachtswaren“ in die Fenster stellen, dass sie mit all dem nichts anfangen können. Heute muß man nicht mehr an die Kernbotschaft denken, um das „Fest zu feiern“.  Hauptsache, es gibt ein paar Tage Sonderurlaub und das „dreizehnte Gehalt“.

Das Wort „Nächstenliebe“ wird in diesen Tagen manchmal beiläufig erwähnt. Und zum Spenden wird verstärkt aufgerufen. An das „Herz für Kinder“ appelliert. Und so wird dann vielleicht auch mal ein Betrag beim Spendenmarathon überweisen, um sich dann wieder dem feudalen Feiern zu widmen.  Am Feiern grundsätzlich ist ja nichts auszusetzen. Es ist schön, sich des Lebens zu freuen. Aber um welchen Preis? Und mit welcher Einstellung? Und warum eigentlich nur an ein paar Tagen im Jahr ein „offenes Herz“ haben? Warum nicht diese paar Tage im Jahr nicht nur als „Sonderurlaub“ sehen, sondern als Er-innerung daran, dass es WIRKLICH funktionieren kann, das GANZE Jahr über diese Eigenschaften zu leben, und zwar bezogen auf JEDEN, und nicht nur auf die „Nächsten“: liebevolles Miteinander Umgehen, von dem was man hat abzugeben, ein offenes Herz, einen offen Geist zu haben. Klar kommt dann das Argument „ich hab selber genug Probleme“. Und genau das ist das Problem. Denn es KOSTET NICHTS, freundlich miteinander umzugehen. Daß wir Geld brauchen zum Glücklichsein, wird uns suggeriert von denen, die Geld mit uns verdienen wollen, weil sie denken, man braucht Geld zum Glücklich- oder Sichersein. Werbung, Steuern, Versicherungen, Autos, Klamotten……  Weihnachtsgeschenke. Doch dass die Welt, wie wir sie in der westlichen Welt erschaffen haben, so nicht mehr funktionier, ist offensichtlich.

Gott-sei-dank bin ich hier in Indien von einer Menge Menschen umgeben, die „anders“ leben und deswegen ist für mich Weihnachten alles andere als ein Fest der Geschenke: hier verbringe ich diese Tage mit Leuten, die das ganze Jahr über bewusst leben, deren Wahrheit sich nicht darum dreht, noch mehr Geld zu verdienen, noch mehr „Erfolg“ zu haben und noch größere „Geschenke“ zu kaufen- für sich und für andere. Die „Währung“ hier heißt für viele tatsächlich: ein offenes Herz, ein offenes Ohr und offene Arme- für alle. Jetzt mag so mancher sagen „Oh Gott, wie kitschig!“. Ja: Oh Gott …. Wie wundervoll.

Viele der Leute, die ich hier treffe, sind genau so sicher in ihrer Wahrheit, dass es ihnen egal ist, was andere sagen die es noch nicht verstanden haben: dass es im Leben wirklich um andere Dinge geht, als das, was uns in der westlichen Welt so oft suggeriert wird. Die das „Risiko“ eingehen, weniger zu arbeiten, um mehr Freiheit zu haben. Die ausdrücken, was sie in ihrem Herzen verstehen, auch wenn sie auf manches Kopfschütteln stoßen. Und die hier ihre Batterien aufladen, weil sich hier viele Leute treffen, die genau die gleiche Wahrheit leben.

Und das ist nichts Neues. Alanis Morrissette besingt es sehr schön in ihrem Song „Utopia“. Und gerade in Indien trifft man an jeder Ecke auf Beweise für diese Wahrheit. Hier ist es völlig normal, dass es „Heiler“ gibt und „Heilige“. Menschen, die so viel Liebe in sich haben, dass sie andere damit anstecken können. Meister und Lehrer, denen andere folgen ,weil sie in ihrem tiefsten Inneren spüren, dass sie hier die „wahre Wahrheit“ hören. Und Menschen, die sich trauen, dies auszusprechen, zu praktizieren oder einfach nur zu leben, sind hier unzählig: so gibt es zum Beispiel im Nachbardorf Patrick: Zu ihm kommen täglich hunderte Menschen mit ihrem Leid, körperlich oder seelisch. Ohne Geld dafür zu verlangen „behandelt“ er sie. Die Berichte von „Heilungen“ sind unzählig. Zur Zeit baut er Unterkünfte und Krankenhäuser für die Katastrophenopfer im Norden. Oder Amma: Sie bereist von ihrem Ashram in Südindien aus die Welt, hat in den letzten Jahren MILLIONEN von Menschen mit ihrer liebevollen Umarmung inspiriert, was sie weltberühmt gemacht hat. Auch sie hat etliche Schulen, Krankenhäuser und Unterkünfte gebaut. Von Spendengeldern. Sie tut das schon seit Jahren und ohne die Unterstützung eines großen TV-Senders. Sie lebt einfach die Liebe. Diese Liste könnte ich endlos fortführen, mit Heiligen und Lehren- oder mit Yogameistern, die seit Jahrtausenden gelehrt haben, daß in JEDEM von uns die Kraft steckt, uns selber und andere zu heilen. Von körperlichen und seelischen Krankheiten. Je länger ich in diesem Umfeld Zeit verbringe desto mehr wird das auch zu meiner Wahrheit. Und hier treffe ich viele, denen es auch so geht: die keinen „Schulmediziner“ mehr brauchen und keine chemischen „Medikamente“, an denen Konzerne Geld verdienen: weil sie nicht mehr krank werden oder weil sie andere Heilmethoden kennen oder eben Praktiken, die den Körper von vorneherein gesund halten. Die sich bewusst für einen Lebensstil entschieden, der wirklich glücklich macht. Die sich nicht mehr vom „Erfolgsdruck“ stressen lassen…. die sich einfach entschieden haben, ein freies glückliches, gesundes Leben zu führen. So wie es uns allen zusteht. Das ist wahrer Luxus.

Und Gottseidank gibt es immer mehr Leute, die die Nachricht davon, dass uns allen solch ein Leben zusteht, auch aussprechen: Autoren wie Paolo Coelho, Eckart Tolle, Neale Donald Walsh (dessen Buch „Neue Offenbarungen“ ich gerade lese, das sich genau mit diesen Dingen beschäftigt) oder Deepakh Chopra. Menschen, die auch zeigen, wie dies geht…. diese Liste lässt sich endlos fortführen. Künstler, die mit ihrem offenen Geist mehr in ihrem Job sehen als egozentrischen Ruhm- nämlich eine Möglichkeit, andere zu inspirieren. Wissenschaftler, die physikalische Beweise dafür erbringen, was die großen Meister schon lange in ihren Schriften gesagt haben: dass wir alle aus der selben Materie gemacht sind, dass alles was existiert, aus den selben Bausteinen besteht, von der selben Quelle kommt und dort hin auch wieder zurück gehen wird. Das ist doch die wahre Nachricht, der wahre Grund „frohe Weihnachten“ zu haben!

Wenn Du bis hier her gelesen hast, ist all dies für Dich vielleicht nicht ganz so abwegig und instinktiv reagiert Dein Herz…. Das ist schön. Vielleicht entscheidest Du Dich trotzdem dafür, weiter ein Leben im Egoismus und Konsumrausch an der Oberfläche zu führen. Das ist Dein freier Wille, aber große Zeitverschwendung. Denn vielleicht können wir alle zusammen ja dafür sorgen, dass auch in der westlichen Welt aus dem Fest der Geschenke wieder ein Fest der Liebe wird. Vielleicht sogar dafür, dass dieses Fest die Feier dessen ist, dass wir an JEDEM Tag des Jahres Liebe für uns, für unsere Nächsten und für alle anderen haben. Und die zu verschenken kostet überhaupt nichts. So wie es der, dessen Geburtstag wir hier feiern, vorgelebt hat und wie es schon so viele heute tun. Vielleicht denkst Du daran, wenn Du in diesen Tagen die Worte „Frohe Weihnachten“ sagst oder schreibst. Es tut garnicht weh und kann sogar Spaß machen- versprochen!

Ich wünsche Euch „Frohe Weihnachen“ voller Liebe, ein offenes Herz, einen erkennenden Geist und ein friedvolles Gemüt. Für 2010 den Mut, die Wahrheit der Liebe zu erkennen und sie weiterzugeben!

Sonne und Licht aus Indien,

Kerstin

19.12.09: Der Markt

… in Mapusa ist ein lauter, hektischer, stinkiger Ort. Ungefähr 45 Minuten von meiner Idylle am Strand ist von der Ruhe  und Entspannung nichts mehr zu ahnen. Größere Städte in Indien sind der Inbegriff des Chaos.  Es ist schwer vorzustellen, wie viele Menschen auf Mopeds, in Rikshas oder hupenden Autos auf eine Straße passen. Hier wird vierspurig gehupt und gedrängelt, wo eigentlich nur ein Auto auf die schmalen Straßen gehört. So verlangt allein schon der Weg zum Markt höchste Konzentration und raubt eine Menge Kraft. Auf dem Markt selber geht es dann noch bunter zu, gemütliches Schlendern ist hier nicht: jeder Millimeter ist bedeckt mit Ständen, an denen ALLES angeboten wird: Gemüse, Obst, Unterwäsche, Kochgeschirr, Lotterie Lose, Gewürze, Taschen, Schuhe, Räucherstäbchen, Schmuck, Saris, Stoffe, Decken, Fisch, Fleisch und zur Zeit: Weihnachtsdeko! Es glänzt, rappelt und riecht in allen erdenklichen Noten. Hier bekommt man einen guten Eindruck vom oft zitierten Überfluß an Eindrücken für die Sinne in Indien! Alte Frauen sitzen auf dem Boden und bieten ihre Ernte an, einen Regenschirm über sich haltend als Sonnenschutz. An jeder Ecke heißt es: „Madam, buy nice Pashmina, good prrrrice, only 300 Rupees!“ … „Madam, Taxi?“… „Madam, want to carrrry bag?“… (Damit bieten kleine Jungs ihre Dienste als Taschenträger an) „Madam, eat some Oranges, some apples, some chikoos!“ (Chikoos sind superleckere Früchte, die ich bisher nur in Indien gesehen habe, sehen aus wie Kiwis und schmecken leicht nach Marzipan, köstlich!).

Mein erster Besuch hier war ein Schock, ich habe viel zu oft viel zu teure Preise bezahlt und STUNDEN damit verbracht, die Händler und Träger abzuwimmeln. Ich glaube, damals habe ich die Hälfte meines Geldes zum Einkaufen ausgegeben und die andere Hälfte an die Bettler verteilt, die einem aus jeder Richtung die dünnen dunklen Hände entgegenstrecken. Die bettelnden alten Frauen, kleinen Kinder und verkrüppelten Männer brechen immer noch mein Herz. Doch versuche ich, mich hier zusammen zu reißen. Denn inzwischen habe ich viel gelernt: dass die Frauen mit Babies auf dem Arm diese oft „ausleihen“, um mit ihnen ihrem Betteljob nachzugehen. Die ärmsten der armen Familien verdienen mit dem „Verleih“ ihrer Babies Geld und die Frauen gehen dem „Job“ der Bettlerin nach. Die verkrüppelten Männer werden oft als Kinder so zugerichtet, damit sie mehr Geld einbringen. Es ist schockierend und sehr schwer, sie nicht alle einpacken und mitnehmen zu wollen. Jedes Mal, wenn ich hier unterwegs bin, möchte ich noch mehr tun, noch mehr helfen.

Heute sehe ich den Markt nicht mehr mit touristischen Augen. Und heute bin ich tatsächlich auch auf „Businesstrip“ unterwegs. Ich will Deko fürs Resort kaufen und muß beim Schneider Bezüge anfertigen lassen für die Kissen im Yoga Shala. Die Schneider und Stoffläden befinden sich in der Ladenstraße, die den Markt umgibt. Ich habe inzwischen einen Stammschneider. Der ist zuverlässig und macht einen guten Job. Ich habe einen Beispielbezug mitgebracht und suche gezielt die richtige Farbe aus.  Eigentlich alles sehr simpel. Doch ich bin a in Indien: … Der Stoffhändler ruft seinen Schneider hinzu und das Ritual geht los: ungefähr 15 Minuten wird vermessen, Stoff gewälzt und diskutiert, was das Zeug hält. Dinge einfach und unkompliziert zu erledigen, liegt ihnen nicht. Als ich am Ende nach dem Preis frage, tippt er eine Weile wild auf seinem Taschenrechner rum,  um mir dann einen Preis zu präsentieren. Ich stelle meine übliche Frage (die zum Ritual dazu gehört und die ich erst lernen musste): „Can you give me a discount?“. Das obligatorische Kopfschütteln folgt, das ich professionell ignoriere.  Im Anschluß sagt er gönnerhaft „Ok, you pay 2300 Rupees. This is my best price.“ Deal besiegelt. So geht hier so ziemlich jeder Einkauf vonstatten. Es sei denn, man ist Tourist, zum ersten Mal hier und zahlt immer gleich den ersten genannten Preis.

Diese Zeiten sind bei mit vorbei. So auch bei meiner Freundin Greta aus England, die heute mitgekommen ist, um mich zu unterstützen. Sie selber war mit ihrem Mann (und jetzt ihrem Baby) schon oft in Indien unterwegs. Nachdem wir alles notwenige im Eiltempo erledigt haben, verlangsamen wir ein wenig, um nach Weihnachtsgeschenken und Präsenten für unsere Lieben zu schauen. Bei einem Paschminastand entpuppt sich Greta als wahres Feilsch-Genie. Hier gilt: je mehr Du kaufst, desto weniger zahlst Du. Mengenrabatt auf indisch.

Das Angebot an Weihnachtsdeko scheint jedes Jahr größer zu werden. Inzwischen haben Lametta und Santa Claus Einzug auf den indischen Marktplatz gehalten. Und so funkelt und glitzert es an jeder Ecke. Aus einem blechernen Lautsprecher dröhnt es „Santa Claus ist cooooming tooo town…“ Und so kriecht in mir auch bei 30 Grad langsam ein wenig Weihnachtstimmung hoch.

Der einzige Ort auf dem Markt, der ein wenig Ruhe und Kühle spendet, ist die Blumenhalle. Hier werden die unzähligen Girlanden hergestellt, die in jedem Tempel den Göttern um den Hals gehängt werden oder die Eingänge der Häuser zieren. In der Halle sitzen junge und alte Frauen auf dem Boden vor Körben gefüllt mit Blüten in allen Formen und Farben. Es duftet und es herrscht eine angenehme Stimmung. Die Frauen, die pausenlos Blumen auf Fäden ziehen und damit die kleinen bunten Kunstwerke herstellen, bieten einen anmutigen Anblick. Kleine Vögel hüpfen in den Blumekörben rum und freuen sich zwitschernd über ihr Schlaraffenland. Welche Wohltat, hier kurz auszuruhen. Wie kaufen einer alten Dame duftende Jasmingirlanden ab, die sie uns ins Haar steckt. Der Preis: 10 Rupees, ungefähr 20 Cent. Sie muß daran eine halbe Stunde gearbeitet haben!

Zum Schluß machen wir uns noch auf den Weg zu einem Musikshop. Der ist nicht auf dem Markt, sondern liegt in der Stadt etwas abseits. Ich will mir eine „Shruti- Box“ kaufen, ein Instrument, das den brummenden Klang der Sitar imitiert. Allerdings modern elektrisch, man verbindet die Box einfach mit der Steckdose und hat den beruhigenden Klangteppich zur Meditation, zum Chanten oder zur Yogastunde. Oder einfach nur den „Sound of India“ für Zuhause. Ich erstehe die letzte Shruti- Box im Laden und bin jetzt stolze Besitzerin eines original indischen Instruments!

Ein erfolgreicher Shoppingtag also…. Zurück im Dorf kann ich es nicht abwarten, meine „Beute“ auszupacken. Doch erstmal muß eine Tiefenreinigung her. Denn ein Tag in Mapusa macht nicht nur müde, sondern auch ganz schön dreckig! Zum Glück ist ja das Meer direkt vor der Tür und ich schaffe es noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang reinzuspringen….

Ich wünsche Euch einen stressfreien Tag

und schicke Euch Sonne aus Indien,

Kerstin

14.12.09: Zuhause

Eine Woche bin ich jetzt hier und es ist, als wäre ich nie weg gewesen: einmal am Tag unterrichte ich Yoga. Es ist schön, wieder in diese Routine zu kommen. Und toll, die unterschiedlichen Schüler aus allen Ländern der Welt zu sehen. Und wie schön, wenn man nach einer Klasse Dinge hört wie „Ich war zum ersten Mal seit langem wieder richtig entspannt!“. So soll es sein….

An die üblichen kleinen Hindernisse hier habe ich mich schnell wieder gewöhnt: Stromausfälle und Unterbrechungen der Internetverbindung sind normal. Dadurch wird der Lauf der Dinge einfach verlangsamt. Und einen Blog zu schreiben, ist dann eben nicht jeden Tag möglich.

Dinge zu erledigen (Vorhänge machen lassen, Möbel streichen lassen etc.) bedarf ebenfalls einiger Geduld: denn Farbe, Stoff oder einfach nur jemanden zu finden, der es macht, ist oft nur in der nächsten größeren Stadt eine Stunde entfernt möglich. Und dort hin zu kommen ist eine Tagesaufgabe. Einfach mal schnell was zu bestellen oder in den Baumarkt: Fehlanzeige! Sowas gibt’s hier nicht. Und wieder: am Ende des Tages dauert halt einfach alles ein wenig länger. Auf diese Art und Weise ein Resort zu betreiben ist nicht einfach…… Welch tolle Übung in Geduld! Und Kreativität ist gefordert: So versuche ich zum Beispiel seit Tagen die Matratzen für die Lounge Area in unserem Restaurant zu bekommen. Die trägt ein Mann auf seinem Kopf herum und verkauft sie. Man muß ihn abpassen; das kann Tage dauern. Zum Glück bin ich vorhin mit der Vespa an ihm vorbei gefahren. Weil er den Weg zum Resort nicht wusste, setze er sich kurzerhand hinter mich auf den Sitz- auf dem Roller, die Matratzen balancierend!!! Und da bin ich: mit nem Kerl mit Matratzen auf dem Kopf über die huppeligen Strassen von Goa fahrend…. Puh- ein Balanceakt, für mich wohl ungewöhnlicher als für ihn!

Dafür verbringe ich die Mittagspause am Strand, schaue von meinem Büro aus auf riesige Palmen und sitze am 14. Dezember im dünnen Sommerkleidchen hier. Es könnte schlimmer sein….. ; ) Und ich werde nach meiner Rückkehr nicht allzu sehr unter der Kälte leiden, weil ich dann immer wieder viel mehr zu schätzen weiß, was für uns so schnell selbstverständlich wird: dass alles immer zu kriegen ist und das meiste immer funktioniert!

Und irgendwie mischen sich langsam meine zwei Welten: gestern habe ich mit Harold, dem Fotografen für das holländische Yoga Magazin, ein Shooting am Strand gemacht für das Cover der Februar Ausgabe. Da wird dann auch meine neue PETA Kampagne vorgestellt, die bald deutschlandweit veröffentlicht wird. In der bin ich nämlich in einer krassen Yoga Pose zu sehen. Das ist aber alles noch streng geheim, deshalb dazu mehr später…… Jetzt schau ich erstmal, ob das Internet wieder geht ; )

Ich wünsche Euch reibungslosen Tag

Und schicke Euch Sonne aus Indien,

Kerstin

11.12.09 Klingt wie….

Indien!

Komme grade von einer Sound Session, bei der Sequoia (eine Yogalehrerin aus Canada, die scheinbar Vorfahren bei den canadischen Ureinwohnern hat) wieder ihre sämtlichen Instrumente dabei hatte. Ich kenne sie noch vom letzten Jahr und hab mich sehr darauf gefreut. Seid Ihr schon mal von einem Didgeridoo „bespielt“ worden? Dieses fantastische Instrument der australischen Ureinwohner erzeugt, wenn es gut gespielt wird, einen unglaublichen Wumms! Und Sequoia beherrscht ihre Intrumente!

Die Wissenschaft hat nachgewiesen: Der Mensch besteht, je nach Alter, zu ca. 36% bis 75% aus Wasser. (übrigens interessante Quelle: http://www.inform24.de/wasser.html ) Außerdem ist es offiziell, dass Töne Wasser in Vibration versetzen. Und manche Instrumente bringen das Wasser in unserem Körper auf ganz besondere Art zum Schwingen…. Sequoia hat uns das heute wieder mit Didgeridoo, indianischer Trommel, Sitar (der wundervollen indischen Gitarre) und Klangschalen bewiesen. Das Wasser in mir ist jetzt so ruhig, dass ich kaum schreiben kann!

(auch interessant zu dem Thema: http://www.artikelmagazin.de/lifestyle/wellness/klangmassage-klangschalenmassage-massieren-mit-vibrationen.html )

Draußen geht das Konzert jetzt weiter: hier werden nachts die Zikaden wach, die mit ihrem Trommelorgan, Tymbal genannt, untereinander kommunizieren. Manch einen stört die laute Musik der Zikaden- für mich ist es ein Zeichen dafür, dass ich mich in einem warmen Land befinde! (Das ist halt, wie alles, eine Frage der Sicht: ich finde es z.B. auch niedlich, wenn sich unsere Hunde hier beim Yoga auf meine Matte neben mich legen. Eine meiner Schülerinnen- der eher etwas nervösere Typ- ist deswegen heute fast ausgeflippt.) Die Zikaden sind außerdem, zusammen mit dem Ozean, den ich in ca. 80 Metern Entfernung leise höre, ein unglaublich beruhigender Klangteppich zum Einschlafen. Wie viel schöner als der Straßenverkehr in Berlin!!!

In etwas weiterer Entfernung findet noch ein Konzert statt: in der Dorfschule gibt es ein Fest. Das Wummern der Musik ist gottseidank weit genug weg um nur einen superleisen Basston zu meinem Gute-Nacht-Konzert hinzu zu mischen. Zum Glück gibt es auch den nächsten Tempel nur in sicherer Entfernung: in Indien feiert man gerne, oft, meist die ganze Nacht hindurch und vor allem: LAUT! Also egal, ob es eines der vielen Tempelfeste oder eben ein Schulfest ist: wäre man in direkter Nachbarschaft, könnte man sich auf eine schlaflose Nacht einstellen.  Ich hingegen schlafe hier wie ein Baby- auch wenn die Träume hier manchmal so lang und real scheinen, wie Spielfilme. Das geht übrigens nicht nur mir so…..

Zur Zeit gibt es leider auch ein sehr trauriges Geräusch vor meiner Tür: unsere kleine schwarze Katze ist in tiefer Trauer. Letztes Jahr hat sie drei Babies bekommen, von denen zwei überlebt haben. Dieses Jahr, ein paar Wochen, bevor ich herkam, war es wieder soweit: drei Junge. Eines hat Chris einer Freundin geschenkt,  mit dem Hintergedanken, nicht von Katzen überbevölkert zu werden. Doch dann wurden die verbleibenden zwei tot gefunden. War es ein Marder? Einer der Wildhunde? Die Natur ist hier eben viel näher an einem dran und gnadenloser- nicht zu vergleichen mit wohlbehüteten Haustieren im Westen.  Auf jeden Fall läuft Mami nun schon seit Tagen laut maunzend und schreiend umher und sucht ihre Kleinen. Daß sie nicht mehr zurück kommen, versteht sie nicht. Den Schmerz des Vermissens spürt sie dennoch. Letzte Nacht verbrachte sie ca. eine halbe Stunde genau vor meinem Haus- es war herzzerreißend! Heute habe ich lange mir ihr geschmust, als sie auf meiner Veranda lag. Sie machte einen wirklich depressiven und bemitleidenswerten Eindruck- nichts zu sehen von dem kleinen schwarzen Bündel, das sonst hier über die Palmen springt. Menschen, die behaupten, Tiere hätten keine Emotionen, müssen blind, blöd oder völlig ignorant sein! Ich hoffe, Mami kommt bald über ihren Verlust hinweg. Dann wird das Nachtkonzert vor meiner Tür wieder eines ohne traurigen Beigeschmack- die fröhliche Musik Indiens!

Ich wünsche Euch eine Nacht mit schönen Träumen

und schicke Euch Sonne aus Indien,

Kerstin

10.12.09: Ankommen…

Ankommen…

Naja, den ersten Tag hab ich mal wieder verschlafen- wie immer, wenn ich her komme. Jet Lag und der Schmerz in meinem Zeh haben mich niedergestreckt und mein Körper hat sich in den letzten 48 Stunden ungefähr 20 Stunden Schlaf geholt. Gut so.

Gestern lud mich Chris (der Besitzer meines „Zweit-Zuhauses“, des Ashiyana Yoga Resorts hier in Goa) ein, mit ihm zu Yoga Magic zu fahren, dem Resort von zwei Freunden aus England. Wir machten uns auf den Weg mit Mounique und Harold. Die sind hier, um für das holländische YOGA Magazin einen Bericht über Yoga in Goa und insbesondere Ashiyana zu schreiben/fotografieren. Für die beiden war der Tag bei Yoga Magic der perfekte Einblick in die Yogawelt Goas. Phil und Julia, die beiden Betreiber von Yoga Magic,  hatten hohen Besuch. Babaji weilte bei ihnen und ich hatte das große Glück, genau an meinem ersten Tag einen Satsang und Darshan mit dem bekannten indischen Guru zu erleben. (Zur kurzen Erklärung für die, die keine Yogasprache sprechen: Satsang heißt soviel wie „Zusammenkommen, um die Wahrheit zu erleben“ und Darshan ist sowas wie die Segnung eines Gurus oder Meisters).

Yoga Magic hat seinen Namen wohlverdient. Ein Idyll ungefähr eine halbe Stunde von unserem Resort am Meer entfernt. Die Gäste wohnen hier in originalen, riesigen Luxuszelten aus Rajastan, es gibt einen schönen Pool und zwei große Yogahallen. Zwischen den großen Wohnzelten schlängeln sich Wege durch hohe Palmen und exotische Pflanzen. Jedes Zelt hat ene eigene Frabe, die man an riesigen Fahnen erkennt, die wie in Zeitlupe im Wind wehen- Magic eben……

Als wir ankommen, ist der Satsang leider schon recht weit fortgeschritten. Trotzdem: als ich zwischen all den seelig guckenden weiß gekleideten Yogis sitze und die letzten Worte des Gurus höre, bin ich endlich komplett in Indien angekommen! Die Essenz des heutigen Satsangs: „Es ist völlig egal, aus welchem Land wir kommen. Wir sind alle Mitglieder einer großen Familie.“ Der große Guru: ein kleiner dünner Mann mit langen schwarzen Locken, die langsam grau werden. Man erzählt sich, er sei 120 Jahre alt! Seine Augen: die wachesten und freundlichsten, die ich seit langem gesehen habe. Und wen er einen anlächelt, hat man das Gefühl, er weiß und versteht alles und ist voller endloser Güte und Freundlichkeit. „Ihr denkt, Ihr braucht so viel“, sagt er in gebrochenem englisch. „Aber das ist nicht so. Ihr habt schon alles, was Ihr braucht.“ Ich beobachte die Helfer von Babaji. Ein Junge von vielleicht 20 grinst mir zu. Nirgendwo in der „westlichen Welt“ schaut man in solch freundliche, friedliche und zufriedene Gesichter. Herrlich, innerhalb einer halben Stunde fällt sämtlicher Stress der letzten Monate von mir ab!

Im Anschluß an das Treffen chillen wir noch ein wenig im Restaurant von Yoga Magic, als Phil, der Besitzer sich zu uns gesellt. Er strahlt: „Soeben hab ich unseren Angestellten verkündet, dass wir Yoga Magic abgeben werden. Es ist offiziell. Endlich werden wir komplett in Babaji´s Ashram ziehen.“

Und dann sprudelt er los: dass er und seine Frau das Resort nun 7 Jahre lang aufgebaut haben. Es läuft sehr erfolgreich, sie haben alles erreicht, was sie geplant haben. Also hat der Platz seinen Zweck erfüllt. „Es ist kein Zufall, dass wir jetzt 7 Jahre hier sind, 7 Zelte in den 7 Farben der Chakren aufgebaut haben. Die Zeit ist reif für den nächsten Schritt. Als ich vor 2 Jahren Babaji traf, hab ich mir genau das gewünscht und jetzt ist es soweit. Du könntest mir einen Lastwagen voller Diamanten geben, doch der Wert wäre unbedeutend neben dem Frieden, den ich hab, wenn ich bei Babaji bin.“

Jetzt könnte man sagen, der hat doch nen Knall: gibt ein gut laufendes Resort auf, um einem Guru in seinen Ashram zu folgen.“ Könnte man- doch ich verstehe ihn sehr gut: Ashram bedeutet wörtlich übersetzt „Ort ohne Sorgen“. Und so geht es auch mir jedes Mal, wenn ich in einem Ashram Zeit verbringe: es gibt KEINE Sorgen!

Tatsächlich erzählt Phil dann auch weiter: wie er vor 15 Jahren noch in der Musikindustrie gearbeitet hat. Wie sein erstes Ziel war, einen seiner produzierten Songs im Radio zu hören. Das hatte er irgendwann geschafft und es machte ihn nicht glücklich. Irgendwann hörte er seine Songs auf allen Stationen, doch es war nur ein kurzer Kick. Sein nächstes Ziel: eine US-Platin-Platte zu produzieren. Schaffte er. Auf unsere Frage „Wer war es denn?“ seine Antwort „Erinnert Ihr Euch an einen jungen Mann namens Aaron Carter?“ Klar! Auch das: kein echtes Glück für ihn. Dann kam er nach Indien, fand das Land, auf dem er später Yoga Magic bauen würde, verkaufte alles in seiner Heimat und wanderte aus. Als er zusammenfasst „Es gibt einfach zu viel Gier und Unsicherheiten in diesem Business“, nicken alle zustimmend und jeder von und scheint zu wissen, wovon er redet. Und jetzt sitzt er vor uns, sagt: „ich habe alles erreicht, was ich wollte und mehr: ich hatte Erfolg, Geld, Anerkennung, habe eine wundervolle Frau gefunden. Ich hab die ganze Jagd hinter mich gebracht. Doch den größten Frieden und das größte Geschenk in Form von Babaji.“

Ich weiß genau, was er meint. Phil muß irgendwas gegen Ende 50 sein. Mal sehen, wie es mir dann ergeht. Doch ich glaube, das ist eine der schönsten Arten, alt zu werden und auf sein Leben zurückzublicken…..

Ich wünsche Euch einen friedlichen Tag

…..und schicke Euch Sonne aus Goa,

Kerstin

08.12.09: Hindernisse und Zufälle und es wird exotisch… (die Fotos gibt´s in der englischen Version ! )

Gerade sitze ich am Flughafen von Bahrain und tauche ein in den Reisemodus. Wie sehr ich dieses Gefühl liebe, wenn alles fremd riecht, ich die Schrift auf Schildern nicht lesen kann und die Leute anders aussehen und sich verhalten, als ich es gewohnt bin!

Auch hier in Bahrain ist Weihnachtszeit. Ich werde von amerikanischen Sounds aus blechern klingenden Lautsprechern empfangen: „iiiit´s chriiistmas tiiiiime…!“ Glitzernde Weihnachtbäume mit jeder Menge Kunstschnee dekoriert rahmen die Empfangshalle des Transitbereichs. Ein riesiges Boot hängt von der Wand, ebenfalls mit Watteschnee vollgestopft. Drin sitzen: der Weihnachtsmann und sein Rentier, ein Zwerg und ein paar Bären, allesamt mit Instrumenten ausgestattet und zur Weihnachtsmusik rockend- Kitsch as Kitsch can!

Zwischen all dem: Scheichs mit ihren langen weißen Roben und weißen Kopftüchern, die von roten Schnüren gehalten werden. Und Frauen, ganz und gar von schwarzen Burkas eingehüllt, nur einen kleinen Guckschlitz für ihre dunklen Auge als Fenster zur Welt. So oft, wie ich diesen Anblick schon gesehen habe: immer noch befremdet es mich. Genau so tun dies die Shops, die diese Kleidung anbieten: anstelle von Designerboutiquen findet man hier Burka Shops zwischen den Restaurants, den Coffeeshops und der McDonald´s Filiale. Einige der Roben sind mit Kristallen dekoriert- auch bei Frauen, die sich komplett verhüllen, scheint es das Bedürftnis nach Mode zu geben.

Ich spaziere ein wenig herum, es ist nur ein kleiner Wartebereich und mein Anschlussflug nach Goa geht in einer Stunde. Also kaufe ich mir schnell einen pinkfarbenen Trolley, der für 8000 BahrainDinar angeboten wird (ca. 20 Euro). Mein Fuß schmerzt wieder und ich habe keine Lust mehr, mein Handgepäck zu schleppen.

Völlig unpassend hatte ich mir den Fuß verletzt, genau vor meiner Abreise. Zuerst sah es nur nach einem blauen Zeh aus (das passiert mir dauernd beim Training für die Kampfsportart, die ich betreibe, Jeet Kune Do. Ein Nebeneffekt, mit dem man klarkommen muß, wenn man eine Kampfsportart betreibt. Ehrlich gesagt bin ich sonst sogar immer ein bisschen stolz auf meine blauen Flecke und Blessuren an Armen und Beinen), doch dann musste ich kurzfristig eine Last-Minute-OP bekommen. Die hat sich dann entzündet. Und jetzt hab ich den Salat- der Doc sagte mir „kein Schwimmen, kein Dreck oder Sand in der Wunde für mindestens 2 Wochen.“ Hallelujah!

Doch das Leben schickt einem immer wieder Botschafter- man muß nur genau hinsehen…. : im Wartezimmer der Arztpraxis wird meine Aufmerksamkeit auf ein türkisches Mädchen gelenkt, das mit seinem riesigen pinken Kopftuch am Empfangstisch der Praxis steht.  Sie spricht superleise, fast flüstert sie. Hätte sie normal geredet, wäre sie mir vielleicht gar nicht aufgefallen. Doch gerade, weil sie versucht, nicht bemerkt zu werden, achte ich auf das, was sie sagt. Sie ist mit ihrer Mutter da. Die unfreundliche Frau hinterm Tresen will, dass sie ein Formular zur Versicherung etc. ausfüllt. Das Mädchen fragt immer wieder, ob die Informationen wichtig sind. Die Frau kapiert zuerst nicht, dann wird es ihr zu viel und sie ist genervt. Sie scheint ihren Job nicht zu mögen, eher scheint sie richtig anzukotzen, was sie hier tut. Irgendwann, bevor es viel zu laut und peinlich wird, sagt das Mädchen: „Meine Mutter versteht nicht, was wir hier ausfüllen sollen, sie kann kein Deutsch.“ Die Frau grummelt:“ Naja, das kannst Du doch dann ausfüllen.“ Das Mädchen wird noch leiser: „Ich kann nicht lesen du schreiben“. Sie muß 14, 15 sein… Sie spricht akzentfrei deutsch, also muß sie hier aufgewachsen sein. Was sind ihre Perspektiven?

Wie kann ich mich also ernsthaft aufregen über einen schmerzenden Fuß vor meiner Winterpause in Indien ???

Naja, wir werden sehen, wie es klappt. Ich hab ne Menge Pflaster und antiseptische Salbe im Gepäck, um die Wunde sauber zu halten. Und ich vertraue in meine guten Selbstheilungskräfte, die Hilfe von Yoga und Meditation und vielleicht etwas Salzwasser- auf keinen Fall kann ich mir vorstellen auf mein Ritual zu verzichten, am ersten Tag an meinem „Hausstrand“ den ganzen Tag im Wasser zu verbringen….. Tja, die Lektion, die ich hier lernen soll, heißt wohl „Geduld“- eine meiner schwersten.

Zurück im Flieger zeigen sie einem Film: „Julie & Julia“ mit der wundervollen Meryl Streep- meiner Meinung nach einer der besten Schauspielerinnen der Welt! Eine wahre Geschichte: Julie Powell wird berühmt mit ihrem Experiment Julie/Julia: sie kocht alle 524 Gerichte aus dem legendären Kochbuch „Mastering the art of french cooking“ von Julia Child. Beide Frauen sind verrückt nach Kochen. Julia Child revolutioniert die Küchen in den 40ern. Und Julia Powell schreibt in der heutigen Zeit einen Blog über ihr Experiment. Der Blog wird als Buch veröffentlicht und später verfilmt. Was für eine schöne Inspiration für mich! Beide Frauen sind verheiratet mit einem Mann, der sie wirklich liebt, sie in allem, was sie tun, unterstützt und sie ermutigt, an ihrem Traum festzuhalten, auch in Zeiten, in denen sie selber nicht an sich glauben oder andere sie und ihre Pläne belächeln. Julie´s Blog brauchte übrigens ganze 3 Monate, um überhaupt von jemandem bemerkt zu werden und ein ganzes Jahr, um erfolgreich zu sein….. ; ) Ein Muß-Film mit einer wunderschönen Message: „Glaub an Dich selber und laß Dich nicht von Hindernissen auf dem Weg aufhalten“. Also bin ich jetzt mal gespannt, wie das mit meinem Fuß, meinem Blog und dem Experiment „Kerstindia“ (Danke Alex für den Namen ; ) weitergeht….

To be continued…… ich wünsch Euch einen offenen Geist für heute!

Kerstin auf dem Weg…..

nach Indien!

Advertisements

2 Responses to “IN DEUTSCH”

  1. kerstinlinn February 20, 2010 at 4:18 pm #

    Hallo Ihr Lieben,
    ich freue mich immer sehr über Euer Feedback ! Also laßt mich weiterhin wissen, was Ihr zu all dem denkt. Und sagt mir auch gern, ob ich mehr oder weniger oder überhaupt schreiben soll !!! Viel Spaß, Kerstin

  2. jigsaw February 10, 2011 at 3:00 am #

    you might have an ideal blog right here! would you wish to make some invite posts on my weblog?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: